Sie sind hier:

HIV/Aids hat die Welt verändert

Update AIDS

Internet Links

Das Krankheitsbild

Übertragungswege

Ausbreitung

AIDS-Volksseuche

AIDS: Das 15/45-Fenster

Sexualverhalten senkt HIV

AIDS und die christliche Gemeinde

AIDS in Tanzania

AIDS-Projekt der MMS

Frauen und AIDS

25 Jahre Aids

Chronologie

HIV und Wirtschaft

Trügerische Hoffnung?

Armut, Aids und Umweltprobleme

Aids umklammert Afrika

Suchen nach:

Allgemein:

Startseite

Wort des Monats

Sitemap

Kontakt

Impressum

Links

Emmanuel Mtiti / Kigoma / Tanzania

Uganda, ein Nachbarland von Tanzania, war zu Beginn der 80er Jahre besonders von den Problemen, die durch AIDS und deren Folgen verursachten, betroffen. Es bestanden damals sehr enge Handelsbeziehungen zwischen Tanzania und Uganda. Während der Ujamaa-Zeit waren die Versorgungsgüter in Tanzania knapp. Vieles musste deshalb von Uganda nach Tanzania eingeführt werden. Junge Handelsreisende gerade aus der Kagera-Region hatten geschäftlich in Uganda zu tun, sie hielten sich oft mehrere Wochen in Uganda auf. Auch später während des Krieges, den Tanzania und Uganda Anfang der 70er Jahre führten, lebten zahlreiche tanzanische Soldaten mehrere Jahre in Uganda. Sie blieben auch noch nach Kriegsende im Land, um für Ruhe und Frieden zu sorgen. Über diese Wege, so nimmt man an , hat sich das Virus dann sehr rasch auch nach Tanzania in die Kagera-Region ausgebreitet.
______________________________
HIV/AIDS in Tanzania (2003)
- Erwachsene zwischen 15-49 Jahren mit HIV/AIDS: 1.500.000
- HIV Neuinfektionen: keine Angaben
- Prevalenz HIV Erwachsener (%): 8,8
- Frauen im Alter 15-49 Jahren mit HIV/AIDS: 840.000
- Kinder mit HIV/AIDS: 140.000
- AIDS-Waisen (Alter 0-17 Jahren): 980.000
- AIDS Tote: 160.000

(Quelle : UNAIDS )
______________________________


In Tanzania wurde, wie in den meisten anderen afrikanischen Ländern auch, zunächst die tatsächliche Bedrohung durch AIDS und das wahre Ausmaß der Gefahr verschwiegen. Man hatte Angst, international geächtet zu werden.
Das war besonders in den ersten Jahren nach dem Bekanntwerden der ersten Krankheitsfälle so.
Es verging eine geraume Zeit, bis die betroffenen Länder die Auswirkungen der Epidemie erkannten und auch schließlich zugaben.
Durch dieses lange Schweigen wurde allerdings auch der Kampf gegen AIDS verzögert. Die meisten Menschen hatten keine Ahnung, wie gefährlich, ja tödlich ihr Verhalten sein konnte. Sie wussten nicht Bescheid, wie AIDS übertragen wurde. Sie kannten keine Krankheitssymptome und waren nicht informiert, wie man sich vor einer Infektion schützen konnte. Der dadurch entstandene Schaden war groß.

AIDS in der Region Kigoma

Die ersten drei AIDS-Fälle in der Kigoma - Region wurden 1986 vom Kabanga-Hospital berichtet. Das war drei Jahre nach dem ersten in Tansania diagnostizierten Fall. Seitdem hat die Anzahl der Fälle in Kigoma und im ganzen Land rapide zugenommen.

Soziale und kulturelle Aspekte von AIDS/HIV

Nachdem AIDS in der Region Kagera erstmals aufgetreten war, versuchten die Menschen, AIDS mit einer Anzahl ihnen bekannter Krankheiten in Verbindung zu bringen.

So wurde in einigen Dörfern und Gegenden behauptet, AIDS
sei durch die von den Händlern zwischen Tansania und Uganda getragenen Hemden übertragen worden.
AIDS wurde mit Würmern in Verbindung gebracht, die die Menschen langsam von innen her auffressen, eine Seuche, wie sie auch bei Mais und anderem Getreide vorkommt.
AIDS werde durch unsaubere Geister bei Geschäftsleuten hervorgerufen, die ihre Ehefrauen betrügen.
AIDS sei eine Krankheit erfolgreicher junger Männer.

Falsche Vorstellungen und Verhaltensweisen

Bis heute gibt es in der Kigoma - Region im Blick auf AIDS ungezählte falsche Vorstellungen.
Und das, obwohl das Gesundheitsministerium und viele Nichtregierungsorganisationen (NGO) öffentliche Aufklärungskampagnen betreiben.

So glaubt man
- Menschen, die AIDS haben, seien verhext worden. Das ist vor allem bei der Landbevölkerung der Fall, die weiterhin an Zauberei glaubt. In solchen Fällen werden AIDS-Patienten zu Zauberdoktoren zur Behandlung gebracht.
- Nur die Menschen, die im kommerziellen Sex tätig sind, seien mit dem HIV-Virus infiziert, besonders aber auch die Stadtbewohner.
Das hat bei der Landbevölkerung den Irrglauben bewirkt, sie seien frei von Ansteckungsgefahr und könnten mit unsicheren Sexpraktiken weitermachen.

AIDS-Kranke werden isoliert und sind damit stigmatisiert.
Es gibt die Tendenz bei AIDS-Patienten, andere Menschen absichtlich zu infizieren, je nach Stadium und Verlauf der Krankheit.
Man praktiziert Sex mit Jüngeren, weil man hofft, dass sie nicht mit HIV infiziert sind. Auf diese Weise breitet sich der Virus gerade auch in der jungen Generation aus.
Immer mehr Menschen verfallen dem Alkohol. Getrunken wird in den Dörfern, wo aus den Erträgen eigener Ernten Bier gebraut wird (z.B. Bananen, Honig, Hirse, Getreide). Solche „Trinkstätten“ sind mit dem höchsten Risiko, durch HIV infiziert zu werden, behaftet.

Es ist z.T. noch einen gängige Praxis, dass Männer mehrere Ehefrauen haben (Polygamie). Dies erschwert ein vertrauensvolles partnerschaftliches Verhältnis.
Man vertraut traditionellen Heilern zu sehr und erhofft sich bei einer Infektion mit dem HIV-Virus und bei AIDS uneingeschränkt von ihnen Hilfe. Hierdurch werden die Menschen irregeleitet. Es werden falsche Hoffnungen geweckt. In den meisten Fällen wird AIDS mit anderen Krankheiten verwechselt, die ähnliche Krankheitssymptome aufweisen. Man geht davon aus, dass AIDS geheilt werden kann. Dies verringert die Bereitschaft , sich wirkungsvoll vor einer Ansteckung zu schützen.
Absolute Armut treibt Frauen zur Prostitution. Im Überlebenskampf sind sie gezwungen, für sich und ihre Familien den Lebensunterhalt zu sichern.
Der allgemeine Gebrauch scharfer, aber unsauberer Gegenstände bei den traditionellen Beschneidungszeremonien von Jungen und Mädchen sowie beim Tätowieren erhöhen das Risiko einer HIV-Infektion.
Schlechte Gesundheitsdienste haben zu unqualifizierten medizinischen Behandlungen in vielen Gegenden geführt. Man verordnet und verteilt die falschen Medikamente oder gibt die verkehrten Spritzen. So wird die Ansteckungsgefahr erhöht.
AIDS wird überwiegend durch sexuelle Praktiken übertragen. In den traditionellen Familienverbänden ist dies aber kein Gesprächsthema. So ist es schwierig, mit AIDS verbundene Fragen innerhalb der Familien zu besprechen.

Übersetzung: Karl Lagershausen