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Gefangen im Kreislauf von Armut, Aids und Umweltproblemen

Fischergemeinschaften in Ostafrika sind jüngsten Untersuchungen zufolge besonders schwer von Aids betroffen. Wer erkrankt, kann die schwere Art nicht mehr leisten. Und aus der so entstandenen Not heraus beginnt in diesen ohnehin fragilen Regionen der Raubbau an der Natur.


Schon immer hat es Fischerdörfer entlang der Küste des Indischen Ozeans in Tansania gegeben. Doch erst über die letzten Jahrzehnte hinweg hat das Fischereigewerbe immer mehr Menschen aus anderen Gegenden angelockt. Meist waren es Männer, auf der Suche nach einem neuen Auskommen. Dieses Eindringen einer großen Zahl von Wanderarbeitern gepaart mit chronischer Armut und dem geringen Status von Frauen in der Gesellschaft hat nun nach Ansicht von Experten dazu geführt, dass die HIV-Infektionsraten in den nördlichen Küstengebieten Tansanias zwei bis dreimal höher sind als der nationale Durchschnitt von sieben Prozent der erwachsenen Bevölkerung.

Wanderarbeit, Alkohol und Prostitution
In Dörfern entlang der Küste wie Saadani, dessen Bevölkerung in der Hochsaison von März bis Juni auf 1.900 bis 3.000 anwächst, sind neue Bars, Restaurants und Wohnheime für die Wanderarbeiter entstanden. Und so auch ein Umschlagplatz für Alkohol, Drogen und Sex. Der Alkoholkonsum in den Fischergemeinschaften Tansanias ist sehr hoch,
wechselnde Partnerinnen und der Umgang mit Prostituierten sind gängige und gesell-
schaftlich akzeptierte Praktiken. Studien haben ergeben, dass Fischer ein etwa fünfmal
höheres Risiko haben, an Aids zu sterben, als Bauern in derselben Region.
Frauen tragen in diesen Gemeinschaften seit jeher einen Großteil zum Haushaltseinkommen bei. Ökologische Veränderungen in der Region haben seit einigen Jahren die Verdienstmöglichkeiten von Frauen in der Landwirtschaft drastisch eingeschränkt. Aus der Not heraus wenden sie sich nun der Prostitution zu und setzen sich so einem hohen Infektionsrisiko aus.
Einkommensverluste durch an Aids erkrankte oder gestorbene Familienmitglieder veranlassten viele Menschen nach neuen Verdienstmöglichkeiten zu suchen, die oft nicht nachhaltig sind, wie etwa die Abholzung der Wälder, um Holzkohle für den lokalen Markt zu produzieren. Viele verwitwete Frauen und ihre Kinder fischen mit kleinmaschigen Netzen in den ohnehin bereits dezimierten Fischbeständen am Rande der Küste.

Ähnlich hohe Infektionsraten wie in Tansania weisen auch Fischergemeinschaften in Uganda auf. Laut einer Studie des ugandischen Ministeriums für Landwirtschaft und Fischerei und der nationalen Aids-Kommission waren 16 Prozent der erwachsenen Bevölkerung um den Kyoga See, Albert See und entlang des Nils mit dem HI-Virus infiziert. Damit ist die Rate mehr als doppelt so hoch wie der nationale Durchschnitt.

Für die harte Arbeit zu schwach
Chronische Krankheit und Tod zerstören mittlerweile die Lebensgrundlage und Einkünfte, untergraben die Fertigkeiten und reduzieren die Produktivität in den betroffenen Fischergemeinschaften, so heißt es in der Studie. Viele HIV-infizierte Fischer haben inzwischen damit begonnen in flacheren Gewässern zu fischen, wenn sie zu schwach sind, um die harte Arbeit der Fischerei in den tieferen Gewässern auf sich zu nehmen. Dies gefährdet aber die Fischbestände in den Seen und Flüssen, da die Fische zum Laichen in die Uferregionen kommen. Aids hat somit negative Auswirkungen auf die nachhaltige Fischerei in Uganda. Über 700.000 Menschen sind direkt im Fischereisektor beschäftigt und etwa 1,2 Millionen Haushalte leben ganz oder teilweise von diesem Gewerbe.
(Hz)

Quelle: Population Reference Bureau, Juli 2005; The EastAfrican, 26. Juli 2005; IRINnews, 19. Juli 2005.

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