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Neue Studie zu Afrikas Entwicklungschancen

Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat in Zusammenarbeit mit der Stiftung Weltbevölkerung und dem International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) die Studie „Afrikas demografische Herausforderung“ erstellt. Darin wird deutlich, dass dem Kontinent über eine Senkung der Geburtenraten ähnliche Entwicklungschancen offen stehen wie den asiatischen Tigerstaaten in den vergangenen Jahrzehnten.

Erstmals werden Ende Oktober nach den Projektionen der Vereinten Nationen sieben Milliarden Menschen auf der Erde leben. In der ärmsten Region der Welt – in Afrika südlich der Sahara – wächst die Bevölkerung weltweit am stärksten, bis zur Jahrhundertmitte wird sie sich wahrscheinlich verdoppeln. Dies verschärft die Armut, weil immer mehr Menschen um Ackerland, Wasser und Nahrung konkurrieren. Wenn es Afrika allerdings gelingt, die Geburtenraten zu senken und gleichzeitig den vielen jungen Erwerbsfähigen produktive Arbeit zu geben, hat der Kontinent große Entwicklungschancen, so die Studie. Um in Afrika eine günstige demografische Ausgangslage zu erreichen, müsse der Anteil der Personen im erwerbsfähigen Alter gegenüber den jüngeren und älteren Menschen, die zu versorgen sind, steigen. Derzeit ist in den Ländern südlich der Sahara fast jeder Zweite jünger als 15 Jahre. Damit verfügt die Region über vergleichsweise wenige Menschen im Erwerbsalter.

Senkung der Geburtenraten notwendig

Bei sinkenden Geburtenraten indes steigt der Anteil der Erwerbsfähigen. Voraussetzung dafür seien zum einen verstärkte Investitionen in Familienplanung und Aufklärung. Denn viele Frauen bekommen in Afrika mehr Kinder, als sie sich wünschen, da sie oft keine Möglichkeiten zur Verhütung haben. Weltweit haben 215 Millionen Frauen keinen Zugang zu Familienplanung, obwohl sie eine Schwangerschaft vermeiden wollen. Um allen Menschen Zugang zu Verhütungsmethoden zu geben, müssten die weltweiten finanziellen Mittel von derzeit jährlich 3,1 auf 6,7 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelt werden. Außerdem seien Investitionen in Bildung und die Gleichstellung von Frauen und Männern notwendig. Wie die Studie zeigt, wächst dadurch bei den Menschen der Wunsch nach weniger Nachwuchs.

Dass über eine Senkung der Geburtenrate und Investitionen in Bildung wirtschaftlicher Aufschwung möglich ist, haben die asiatischen Tigerstaaten – Singapur, Südkorea und Taiwan – in den vergangenen Jahrzehnten gezeigt. Sie standen zu Beginn ihres beeindruckenden Aufstiegs demografisch und ökonomisch ähnlich da wie viele afrikanische Staaten heute.

Die Studie steht zum kostenlosen Download zur Verfügung.

aus: DSW-(News) September 2011
Mit freundlicher Genehmigung