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Liebe Mitglieder und Freunde,

Wenn ich einen persönlichen Brief erhalte, freue ich mich. Als Vorstand der Medizinischen Missionshilfe (MMH/MMS) haben wir uns vorgenommen, Euch öfters einen Brief mit Neuigkeiten und aktuellen Informationen zu schicken.


Welches Ereignis bietet sich für einen Freundesbrief besser an, als über die Reise eines Vorstandsmitglieds nach Tansania zu berichten. Deshalb möchte ich Euch mitnehmen zur Furaha-Dispensary (Kisuaheli Furaha =Freude) in Nkalinzi. So erhaltet Ihr einen Einblick in die aktuelle Situation vor Ort. Vom In diesem Jahr haben wir, meine Frau Karen und ich, unseren Jahresurlaub in der Kigoma Region verbracht.

Aufbruch in die Vergangenheit
Die lange und staubige Straße von Tabora nach Kigoma hatten wir nun endlich nach über 12 Stunden Fahrt in einem übervollen Bus hinter uns gelassen. Wir sind verklebt und dreckig in Kigoma angekommen. Nicht zum ersten Mal schaute ich meine Frau Karen an und wir fragten uns mit einem amüsierten Lächeln: So sieht nun unser wohlverdienter Jahresurlaub aus. Wollten wir das so?

Desolate Infrastruktur, einfache hygienische Verhältnisse und unzuverlässige Verkehrsmittel rauben uns den Nerv und strapazieren unsere so geordneten deutschen Gewohnheiten. Mangelnde Kommunikation und improvisierte Planung steigert vielleicht das Abenteuergefühl, was aber ohnehin schon durch die für uns ungewohnten Rahmenbedingungen zur Geltung kommt. Dazwischen kleinere Gebetserhörungen, wenn doch mal etwas funktioniert oder der „Zufall“ Möglichkeiten eröffnet.

Genau hierher wollten wir nach über zwanzig Jahren wieder zurückkehren. Die Kigoma-Region war früher für zwei Jahre unser Zuhause geworden. Mit einer deutschen Missionsgesellschaft hatten wir beide in einem kleinen ländlichen Krankenhaus gearbeitet, Karen als Ärztin, ich selbst als Diakon. Mit unseren ersten beiden Kindern hatten wir uns begeistert und mit viel Engagement in die Gesundheitsarbeit der anglikanischen Diocese of Western Tanganjika (DWT) eingebracht. Nach zwei Jahren mussten wir aus persönlichen Gründen wieder zurück nach Deutschland und bekamen zwei weitere Kinder.
Nun stehen wir wieder hier und erinnern uns an Kisuaheli, die Landessprache, an die Freundlichkeit der Menschen, die uns mehrmals täglich ihr „Karibu“ zurufen: Ihr seid uns willkommen! Das tut gut. Manchmal treffen wir sogar Menschen, die uns wiedererkennen. Karen und mir beschert das eine Gänsehaut. Wir sind nicht vergessen. Auch wir haben trotz all der Jahre Tanzania und vor allem die Menschen nicht vergessen. Wir wussten: wir haben einen Teil unseres Herzens in Afrika gelassen.

Verschiedene Extreme beeindrucken uns
Seit nunmehr über 18 Jahren unterstützen wir als Familie die Arbeit der Medizinischen Missionshilfe (MMH/MMS). Im letzten Jahr bin ich gebeten worden, dem Vorstand der MMH/MMS beizutreten. Ich habe dazu ein klares Votum gefunden. Die Mitglieder haben mich gewählt. So ist es einfach an der Zeit, die für mich neue Arbeit vor Ort näher kennenzulernen.

Kigoma hat sich verändert. Der alte deutsche Bahnhof ist neu restauriert worden. Der große Bahnhofvorplatz hat eine schöne Busstation erhalten. Überall wird uns das hohe Bevölkerungswachstum bewusst. Der Markt ist übervoll. Unzählige alte Autos- die meisten hätten bei uns keine Chance, durch den TÜV zu kommen - bestimmen das rege Treiben auf den Straßen. Handys, Internetcafés und Bankautomaten täuschen eine moderne Entwicklung vor. Bettler und Tagelöhner streichen um den Markt herum.

Bei einem Kaffee im „Sunset Hotel“ lassen wir diese unterschiedlichen Eindrücke auf uns wirken während wir auf Gideon Kibambai, den Projektleiter der tanzanischen Medical Mission Support (MMS) warten. Pünktlich und mit einem freundlichen Lächeln kommt er uns entgegen. Nach einem kurzen Kennenlernen machen wir uns mit einem Taxi auf den Weg nach Nkalinzi, einem der Orte, in dem die MMS eine Gesundheitseinrichtung führt.

Nkalinzi – hinter den Bergen
Wie einfach ist es doch verglichen mit früher geworden, sein Ziel zu erreichen. Durch die neuen von den Chinesen gebauten Asphaltstraßen hat sich die Infrastruktur der Region deutlich verbessert. Nkalinzi ist als zentraler Marktflecken durch die Straße noch mehr zu einem Drehkreuz der vielen Menschen geworden. An Nkalinzi vorbei führt die Straße bis nach Burundi und weiter nach Ruanda. Durch die engen Gassen des Marktes in Nkalinzi wuseln mehr als zweitausend Menschen geschäftig umher. Dreimal in der Woche an den Markttagen, wechselt Geld und Ware die Besitzer. Plastikware aus China und landwirtschaftliche Produkte, Selbstgebackenes und frisch geschlachtetes Ziegenfleisch werden feilgeboten und finden ihre Käufer. Das kleine Geld ist für die Afrikaner wichtig. Nicht mehr als 3-4 Euro beträgt der Tageslohn in dieser Gegend, das ist alles. Vor diesem Hintergrund verstehen wir die Arbeit, die in der kleinen Furaha-Gesundheitsstation der MMH/MMS verrichtet wird. Die Station ist eine wichtige Anlaufstelle für die Menschen der Gegend. Menschen, die nicht sofort mit jedem Wehwehchen ins nächste Krankenhaus laufen können, weil die Wege zu weit sind oder weil das Geld für die Behandlung fehlt. Die Kosten für die Behandlung eines Kindes betragen immerhin einen halben Tageslohn und Erwachsene bezahlen fast eine ganzen Tageslohn.


In der Gesundheitsstation empfängt uns Malcom Lugaye. Er ist Arzt und leitet die Einrichtung.
Ihm stehen 7 weitere Mitarbeitern hilfreich zur Seite.
Die Dispensary ist nicht besonders groß (Unter einer Dispensary versteht man eine Ambulanz, die in einer Ortschaft und deren Umgebung für die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung zuständig ist.). Karen schüttelt nur den Kopf. Wenn man hier als Arzt /Ärztin arbeiten muss, kommt man rasch an seine Grenzen.

Der Eingangsbereich und der Warteraum dienen gleichzeitig als Behandlungsraum und Abstellfläche für Kisten. Der Bereich, in dem die Injektionen verabreicht werden und das Verbandszimmer, in dem einfache Verbände, aber auch Gipsschienen und Gipsverbände angelegt werden, sind bloß je 2 X 2m große Bretterverschläge. Es würde zu einer größeren Verkeilung zwischen der Wand, der Behandlungsliege und der Schwester führen, müsste man einem Patienten oder einer Patientin einen Gipsverband an einem Bein anlegen.
Ein Arztzimmer, ein Laborraum, eine Apotheke und eine Abstellkammer runden das Angebot der Räumlichkeiten ab.

Gesundheitsarbeit auf afrikanisch
Beeindruckt waren wir von dem Engagement und der Aufmerksamkeit des Doktors. Malcom Lugaye schien nur für die Mitarbeiter und für die Patienten da zu sein.

Er ist die Seele dieser Gesundheitsstation ist. Mit achselzuckenden Gesten erträgt er die oft widrigen Umstände. Unter weit ausholenden Handbewegungen beschreibt er seine Träume, ein Anbau mit weiteren 8 Betten, das ist sein Traum. Das wäre toll.
Besonders in der Regenzeit kommen die Mitarbeiter oft an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Nachdem wir den jungen Mann, der das Wasser für die Dispensary mit dem Fahrrad vom Fluss gebracht hat, gesehen haben, fangen auch Karen und ich an zu träumen: Wir träumen von einem Wassertank mit Regenrinnen als Zuleitungen, von Solarplatten für das Mikroskop und für den Sterilisator und für die Zentrifuge und....und...

Wir werfen einen Blick in das Aufnahmebuch, in dem jeder Patient vor seiner Untersuchung erfasst wird. Name, Wohnort, Alter, Familienstand, Gewicht, Größe, und Beruf werden feinsäuberlich notiert. Als wir die Aufzeichnungen unseres Besuchstages gezeigt bekommen, verstehen wir, wie hilfreich diese Station für die Region sein muss. Bis zum Ende Juni wurden 3000 Patienten behandelt, dies bedeutet ca. sechstausend Patienten in einem Jahr. Die Zuverlässigkeit der Mitarbeiter, regelmäßige Öffnungszeiten und die durchgehende Anwesenheit eines Arztes werden diese Zahlen noch weiter ansteigen lassen. Dadurch wird aber auch der Arzneimittelverbrauch größer und damit auch die Arzneimittelkosten. Diese Mehrausgaben lassen sich durch die Behandlungskosten nicht auffangen.
(Nach unserer Rückkehr mussten wir als Vorstand über Mehrausgaben für Arzneimittel beraten und entscheiden.)
Nach einem gemeinsamen Essen mit den Mitarbeitern der Furaha-Dispensary verlassen wir mit einem ermutigenden Gefühl „unser“ Projekt in Nkalinzi.

Die Begeisterung trägt weiter
Am Ende der Welt pulsiert das Leben und ist dennoch von Krankheiten und Armut geprägt und bedroht. Unser Einsatz und besonders unsere Spenden kommen an. Sie sind hilfreich. Jeder Euro hat in Tansania einen Mehrwert des Zehnfachen.

Nach dem Besuch der zweiten Gesundheitsstation in Bugamba, die unmittelbar am Tanganyikasee gelegen ist und nur mit dem Boot oder zu Fuß zu erreichen ist, kehren wir innerlich tief bewegt nach Deutschland zurück. Wir haben den Eindruck, die tanzanischen Mitarbeiter vor Ort tun engagiert und kompetent ihre Arbeit. Ihre Mittel sind begrenzt. Die Rahmenbedingungen könnten besser sein. Doch es geht weiter. Es ist eine Sache der vielen kleinen Hände. Es gibt noch einiges zu tun.

n der Vorstandssitzung haben wir über einige Beobachtungen unserer Reise gesprochen. Vieles muss neu bedacht werden. Ideen müssen besprochen und umgesetzt werden. Das ist manchmal ein langer Weg. Doch dank Eurer Unterstützung sind hoffnungsvolle Möglichkeiten vorhanden.

Mit diesen Gedanken möchte ich aus Zehdenick/ Brandenburg herzlich grüßen und verbleibe mit dem ermutigenden Monatsspruch vom September 2013:
Seid nicht bekümmert; denn die Freude am HERRN ist eure Stärke. Nehemia 8,10

Euer Jörg Kerner


Jörg Kerner, Diakon, Grünstreifen 17a ; 16792 Zehdenick,
Tel 03307 2910 , E-mail "Kerner-Joerg (at) t-online (Punkt) de".