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David Stevens

Helfer zum Heilwerden - Community Health und Entwicklung

Übersetzung: Karl Lagershausen (MMH/MMS)

Ein gutes Programm für Community Health kann wesentlich mehr Leben retten als alle kurativen Dienste. Als junger Arzt, der 10 Jahre in Kenya/Ostafrika gearbeitet hat, habe ich das selbst erlebt. Als ich in Kenya anfing, gingen die Hälfte der eingelieferten Patienten und die Hälfte der Todesfälle in unserem Hospital auf vermeidbare Krankheiten zurück. In jenen Tagen war es nicht ungewöhnlich, täglich mitzuerleben, wie zwei oder drei schwer dehydrierte Kinder weggerafft wurden, und das, nachdem wir alles erdenklich Mögliche versucht hatten, sie zu retten. Wir hatten eine ganze Station voll mit schwer an Masern erkrankten Kindern. Ein Viertel von ihnen starb infolge irgendwelcher Komplikationen. Gleich nebenan befand sich die Station mit TB-Patienten, die einen Monat lang oder länger ihre tägliche Injektion bekamen.

Ich lernte Krankheiten kennen, denen ich in meiner Ausbildung nie begegnet war. Ich sehe immer noch die Patienten mit ihren massiven Keuchhusten-Anfällen vor mir und die Menschen, die an einer Tetanus-Infektion mit den andauernden zuckenden Krampfanfällen litten. Ohne die schützende Impfung verläuft die Erkrankung in der Regel tödlich.

Es hat mir das Herz gebrochen, wenn ich zur Kenntnis nehmen musste, dass Neugeborene starben, weil die Nabelschnur mit einem dreckigen Gartenmesser durchgeschnitten worden war. Schwere Wurmerkrankungen waren so häufig, dass wir große, verschlungene Klumpen von Rundwürmern, die den Darm beeinträchtigten, nur operativ entfernen konnten.

In diese Reihe von Krankheiten gehören fernen körperliche Entkräftung, Kwashiorkor (Protein-Energie-Mangelernährung (PEM)), schwere Skabies (weitverbreitete parasitäre Hautkrankheit des Menschen. Sie wird durch die Krätzemilbe (Sarcoptes scabiei) verursacht.), Tod durch Tollwut, Anthrax (Milzbrand) nach dem Genuss von roher Leber von Kühen, die an dieser Krankheit gestorben waren, Parasiten am Augapfel, Malaria, Dengue-Fieber, Hydatiden-Zysten (bei Infektionen mit Bandwürmern entstehen tumoröse Hydatiden-Zysten in der Leber, ev. auch in Lunge, Gehirn, Knochen), durch Amöben-Abszesse und eine Menge weiterer vermeidbarer Krankheiten. Wenn wir dann eine solche nie endende Leidenskette behandelt hatten, wurde sehr schnell deutlich, dass schon bald, nachdem wir jemanden als geheilt entlassen hatten, derselbe Patient mit der derselben oder einer anderen vermeidbaren Krankheit wieder auftauchte. Über kurz oder lang würde er sowieso sterben.

Das Problem schien unüberwindlich. Wir hatten damals ein Krankenhaus mit 125 Betten für eine Bevölkerung von 300.000 mit drei Ärzten und sechs ausgebildeten Krankenschwestern. Wir waren so überlastet, dass die Schwestern neben der täglichen Routine auch den Nachtdienst versehen mussten. Wir befanden uns in einer Tretmühle, die sich immer schneller drehte und das in einem Land mit der am schnellsten wachsenden Bevölkerung weltweit. Irgendwann würden wir da herauskatapultiert werden, wenn nicht etwas Entscheidendes geschähe.

Sechs Jahre später. Die Statistiken des Krankenhauses und die Krankheitsbilder änderten sich dramatisch dank eines Basis- Gesundheitsprogramms direkt vor Ort in den Gemeinwesen, finanziert durch säkulare Mittel und mit nur einer vollzeitlichen Krankenschwester für diesen Außendienst. Das Programm war so innovativ und erfolgreich, dass der amerikanische Botschafter sowie Fachleute des Gesundheitswesens aus 18 Nationen anreisten, um dem Geheimnis des Erfolgs auf die Spur zu kommen.

Ich erzähle das nicht, um irgend jemandem Honig ums Maul zu schmieren; mir geht es diesen einen Punkt: Ich kenne deine gegenwärtigen und zukünftigen Verhältnisse nicht, aber ich weiß, dass du Menschen helfen kannst, viel gesünder zu sein, und zwar mit geringstem Personalaufwand. Ob du nun überlegst, ein Programm zu beginnen oder bereits damit begonnen hast, - ich erlaube mir, einige Prinzipien anzuführen, die dein Programm in kürzester Zeit verändern werden. Ich möchte, dass du erfährst, wie ein Gesundheitsprogramm für das Gemeinwesen zu deinem größten Werkzeug und zum Zeugnis für das Wachstum des gesamten Projektes werden kann; und du brauchst, um das hinzukriegen, keinen MPH (Master of Public Health, in der Regel einjährige Ausbildung) . Du wirst lernen, wie man Freiwillige motivieren und sie über eine längere Wegstrecke bei der Stange halten kann; und du wirst etwas über das Geheimnis erfahren, wie man andere Menschen dazu bringen kann, dein Projekt zu finanzieren.

Wir beginnen mit dem Bau eines tragfähigen Fundaments

1. Sorge dafür, dass Stakeholder* Teil des Projektes werden:

> Häufig gibt es Spannungen zwischen denen, die im kurativen und denen, die in präventiven Dienst engagiert sind. Ich kenne das sehr gut. Einige hart gesottene Community Health Puristen behaupten, Prävention sei kostengünstiger, beanspruche weniger Ressourcen und sei der bessere Weg, positiv auf ein Gemeinwesen einzuwirken. All das ist richtig. Aber dann sähen sie am liebsten, dass der kurative Dienst eingestellt würde. Das ist natürlich abwegig. Community Health kann keinen Blinddarm heilen und kann Krankheiten nicht hundert -prozentig verhindern. Beides, präventive und kurative Dienste werden gebraucht, genau so wie zwei Arme nötig sind, um einen Baustamm fort zu tragen. Sie ergänzen und unterstützen einander. Kurative und präventive Einrichtungen brauchen einander. Das eine oder das andere allein ist wie ein Einarmiger, der tapezieren will.

> Ziele von Anfang an auf eine gleichberechtigte Partnerschaft zwischen den Krankenhausmitarbeitern und den Verantwortlichen im Community Bereich hin. Zuerst tut sich die stets überarbeitete Klinikbesatzung schwer, Mitarbeiter für die Community-Arbeit abzustellen. Sie erwarten dann, dass die Mitarbeiter im Community Health Programm für bestimmte Zeiten bei dringlichem Bedarf in der Klinik aushelfen. Vermeide ein solches Ansinnen von vorn herein durch geschicktes Verhalten, noch bevor es überhaupt zur Sprache kommt. Community Health braucht einen Vollzeit-„Besessenen“, der ganz und gar davon eingenommen ist, dass etwas passiert.

> Die Community Health Leute auf der anderen Seite müssen anerkennen, dass das Krankenhaus oder das Gesundheitszentrum mit ihrem guten Ruf ein enormer Bonuspunkt ist für das, was sie selbst erreichen möchten. Es erspart Jahre an Zeit, die man sonst damit verbringen müsste, in einem Gemeinwesen Glaubwürdigkeit und Vertrauen neu aufzubauen. In den meisten Fällen ist es von Vorteil, wenn der neue Dienst einer Communitybezogenenen Arbeit als ein Ableger bzw. eine Ausweitung der vorhandenen Hospitaleinrichtung gesehen wird. Es wird auch sehr viel leichter werden, dafür finanzielle Mittel zu bekommen, weil das Ganze nicht als etwas Neues ohne geschichtliche Wurzeln und deswegen als etwas Risikoreiches eingestuft wird.

> Und vergiss nie, die Unterstützung anderer möglicher Stakeholder zu bekommen. Die nationale Kirche ist da ein Hauptanwärter. Nimm dir die Zeit und diskutiere deine Pläne und Träume mit den Leitern der Kirche in der in Frage kommenden Region. Suche ihren Rat und rechne mit dem, was sie beitragen können. Weiche der „klebrigen“ , weil schwierigen und immer wieder auftauchenden Frage nicht aus, ob es sich dabei um eine kirchliches Programm handelt, das nur auf Gemeindeglieder zielt, oder ob es sich um ein das ganze Gemeinwesen umfassendes Programm handelt. Betone bei den Gesprächen, dass selbst die im Programm direkt Tätigen letztlich nur Diensttuende sind und ihnen das Programm nicht selbst gehört. Das gehört stets dem Volk vor Ort. Sie sind diejenigen, die die Hauptlast der Arbeit tragen. Mache die Kirchenleute ruhig darauf aufmerksam, dass so ein Programm ein phänomenales Werkzeug zum Gemeindewachstum sein kann, und dass sie im Prinzip keinen Finger dafür krumm machen müssen, um die Segnungen einzuheimsen.

> Je nach den Gegebenheiten vor Ort kann es nötig sein, sich um die Unterstützung der entsprechenden Regierungsvertreter zu bemühen. Und wenn aus sonst keinem anderen Grund, mach wenigstens einen Höflichkeitsbesuch bei denen, die für das Gebiet, in dem ihr euer Projekt starten wollt, seitens der Behörden die Verantwortung tragen. Du wirst ihre Fürsprache und ihre Unterstützung brauchen.

Ich habe gelernt, dass der Schlüssel dafür, die Stakeholder bei Laune zu halten, darin besteht, den Erfolg nicht auf seine eigene Fahne schreiben zu wollen. Nutze jede sich bietende Gelegenheit, die Stakeholder lobend zu erwähnen, wenn das Programm erfolgreich ist. Du wirst für diese Investition eine riesige Rendite kassieren, wenn du öffentliche Veranstaltungen, Briefe oder Telefonate dazu benutzt, um sie in ein gutes Licht zu rücken. Dazu braucht es nicht viel Zeit. Je mehr du versuchst, auf diese Weise zu investieren, desto mehr fällt dabei – wie bei einem Bumerang – auf dich zurück, weil die anderen auch Gutes von dir reden.


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Stakeholder: Der Begriff kommt aus der Betriebswirtschaftslehre und bezeichnet in Anlehnung an den Begriff „shareholder“ (Anteilseigner, Aktionär) alle Gruppen und Personen, die evtl. Ansprüche an ein Unternehmen bzw. Projekt stellen, z.B. Mitarbeiter, Mitglieder einer NRO, Regierungsvertreter , Kirchenorganisationen und- gruppen, Verbände, Medien, Öffentlichkeit. Solche Personen oder Gruppen, können ein berechtigtes Interesse am Verlauf und am Ergebnis eines Projektes oder eines Prozesses haben, direkt oder indirekt, positiv oder auch negativ.

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