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3) Training für Trainer (Training of Trainers (TOT))

In unserer medizinischen Ausbildung wurden bei uns die denkbar schlechtesten Methoden angewandt. Eine Vorlesung ist eine großartige Möglichkeit, den Studenten in kurzer Zeit eine riesige Menge von Informationen überzustülpen; aber das meiste davon geht in das eine Ohr rein und zum andern wieder raus, - und das mit Lichtgeschwindigkeit. Die Studenten müssen sich anschließend wieder hinsetzen und ihre Notizen auswendig lernen oder sich ein Textbuch einverleiben, um bei Bedarf die Informationen wieder auszuspucken. Für die Prüfungen stopfen sie sich den Kopf voll und vergessen dann vieles von dem, was sie „gelernt“ haben, schnell wieder. Es ist unwahrscheinlich, dass sich im Verhalten etwas ändert, selbst wenn die Informationen mit Lastwagen über ihnen ausgekippt würden.

Wie oft hast du etwas über darüber gehört, dich ausgewogen zu ernähren, regelmäßig Sport zu treiben oder für genügend Schlaf zu sorgen. Du hältst anderen Vorträgen darüber, doch die ändern sich deswegen kaum. Das ist so, weil Gott den Menschen so nicht gemacht hat. Wir verändern unser Verhalten wahrscheinlich eher, wenn wir beim Lernen emotional in Anspruch genommen werden. Das prägt die Informationen nicht nur besser ein sondern motiviert Veränderungen. Erwachsene lernen besser mittels Humor, Geschichten, Spielszenen, Songs, Bildern und durch andere psychosoziale Lehrmethoden.

Ich möchte das mit einem Beispiel aus dem wirklichen Leben illustrieren. Wenn du die Menschen davon überzeugen kannst, sauberes Trinkwasser zu benutzen, kannst du Leben retten. Dazu kannst du verschiedene Lektionen vorbereiten, Bakterien auf Bildern zeigen, mit Schautafeln vor Durchfall nach Trinken unbehandelten Flusswassers warnen, und du kannst Zäune zeichnen, die zeigen, wie man eine Quelle schützen kann. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass sich viel ändern wird, nachdem die Leute dir gedankt haben, weil du sie in ihrem Dort mit deiner Präsentation beehrt hast. Im Folgenden eine Möglichkeit, wie wir das Thema sauberes Wasser unterrichtet haben.

Unsere CHHs vor Ort (wir nannten unsere freiwilligen Mitarbeiter „Community Health Helpers“ anstatt „Mitarbeiter“) nahmen einen Esel mit zum Fluss und beluden ihn mit Gefäßen voller Wasser. Den Dorfhügel hinunter legten sie mittels Hacken ein flaches Bett für einen Graben an bis ins Dorf und an dessen Ende gruben sie einen kleinen Teich.. Dem Bach entlang steckten sie Zweigen in den Boden, die Bäume und Büsche darstellen sollten und richteten ein Schild auf mit der Aufschrift: „Der Nyangores Fluss“. Das ist der Fluss, aus dem die meisten Menschen jener Gegend ihr Wasser holten. Die CHHs luden die Leute ein, darauf zu achten, was passieren würde, während sie Wasser in den Graben gossen.

Als erstes kam eine CHH-Frau mit ihrem Kind auf dem Rücken, ihre schmutzige Wäsche unterm Arm und eine Packung „Omo“, das dort gebräuchliche Waschpulver. Der „Fluss“ füllte sich bald mit Seifenschaum und wurde bis runter in den Teich am Ende des Baches gespült, während sie ihre Wäsche wusch.

Darauf folgte ein Mann, der seiner Kuh ein Bad verschaffte. Die wühlte ziemlich viel Dreck auf und fuhrwerkte Zweige und Blätter in den „Fluss“. Als nächstes kam ein Mann, der den Anschein erweckte, als suche er ein stilles Örtchen, um dann in den „Fluss“ zu urinieren. Wenigstens sah das so aus; in Wahrheit entließ er Wasser aus einem Gefäß, das er unter einem Umhang verborgen hielt. Als letztes kam ein Mann, der schmerzverzerrt seinen Leib hielt. Es sah so aus, als ginge er in die unmittelbare Nähe des Wassers, um dort wegen seines Durchfalls seine Notdurft zu verrichten.

Inzwischen waren die zuschauenden Frauen so weit, sich ihre Umhänge über den Kopf zu ziehen und sich vor Lachen schüttelten oder sich beschämt abwandten. Währenddessen kam eine andere CHH-Schauspielerin, schöpfte Wasser aus dem Fluss und gab es ihrem Mann, der auf einem Baumstamm saß, zu trinken. Schon nach wenigen Minuten schrieb er auf vor Schmerzen und hielt sich seinen Leib, während seine „Nachbarn“ ihn auf eine Trage legten und mit viel Geschrei und Aufregung ins Krankenhaus transportierten.

Dann richtete der leitende CCH-Mann einige Fragen an die aufgebrachte Menge „Was habt ihr gesehen?“ Er dankte den Anwesenden für ihr Mitmachen, bis die alles in Worte gefasst hatten, was im Anspiel vorkam. Dann stellte er die Frage: „Passieren diese Dinge an dem Fluss, wo ihr euer Wasser holt?“ Wenn diese Frage mit Ja beantwortet wurde, lautete die nächste Frage: „Worin bestand das Problem?“ An dieser Stelle wurde die Sache normalerweise interessant. Irgendjemand würde sagen: „Das Wasser hat ihn krank gemacht.“ Indem er der Person für die Antwort dankte, fuhr er fort: „Warum hat das Wasser ihn krank gemacht?“

Irgendjemand schrie dazwischen: „Der hatte zu viel Zucker in seinem Tee!“ Auch andere Antworten gingen am Ziel vorbei, bis jemand sagte: „Ich denke, das Wasser war dreckig. Ich habe gehört, dass das Flusswasser kleine Tiere enthält, die dich krank machen können. Nach einer allgemeinen Diskussion fand das von allen Seiten Zustimmung.

Dann stellte sie die nächste Frage: „Woher kann man Wasser bekommen, das solche Tiere, die dich krank machen, nicht enthält?“ Dann kann es passieren, das jemand von Leuten erzählt, die er kennt, die ihr Wasser aus einer Quelle schöpfen und nicht krank werden. Worauf andere dann sagen, dass sie aber eine solche Quelle nicht haben.

Ein anderer fügt an, er kenne Leute, die ihr Wasser kochen, um die Tiere, die dich krank machen, zu töten. Wenn das Zustimmung findet, lautet die nächste Frage: „Wie sollen wir das Wasser kochen?“ Dann werden alle gebeten, sich um ein Feuer zu versammeln, um mitzuerleben, wie Wasser gekocht wird und die Verunreinigungen beseitigt werden. Natürlich werden auch weitere Möglichkeiten diskutiert, wie man sauberes Wasser bekommen kann.

Diese Trainingseinheit kann zwei Stunden dauern, aber niemand wird vergessen, was er gelernt hat, und viele ändern daraufhin ihr Verhalten. Sie haben nicht nur eine Erfahrung gemacht, die sie emotional bewegt hat; oft ist auch zu hören: „Nicht ihr habt uns etwas beigebracht, wir haben uns selbst gelehrt.“ Der TOT-Kurs lehrt dich, anders zu denken, auf eine viel effektivere Art zu unterrichten und hilft dir, viel besser zu verstehen, wie ein Gemeinwesen tickt. Dieser Kurs ist jetzt überall in der Welt verfügbar.
Für weitere Informationen kontaktiere Susan Carter (contact: susan.carter(at)cmda(dot)org

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Dr. David Stevens ist Vorstandsvorsitzender der Christian Medical and Dentist Associations (CMDA) in den USA. Zu der größten Nichtregierungsorganisationen für Ärztinnen und Ärzte in den USA zählen sich über 16.000 Mitglieder, deren Sprecher Dr. Stevens ist. Dr. Stevens war vor seinem Dienst bei CMDA Medizinischer Direktor von Samaritan´s Purse. Er leitete als Arzt medizinische Einsätze in Somalia und im Süd-Sudan. Von 1981 -1981 leitete er das Tenwek-Hospital in Bomet / Kenya.
Entnommen mit freundlicher Genehmigung des Autors:
CMM's e-Pistle February 2012