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Daniel E. Fountain
Die heilende Kraft Gottes
Krankheit, Heilung und der Faktor Glaube
Neufeld-Verlag, 249 S.

Buchbesprechung von Hermann Bollmann

Der von der Aufklärung ausgelöste Siegeszug von Naturwissenschaft und Technik dominiert das Denken der westlichen Welt. Dieses Verständnis hat dazu geführt, dass der Mensch kaum noch als eine Leib-Seele-Geist-Einheit wahrgenommen wird. In der Arztpraxis spielen Lebensprobleme, Lebensumstände und Lebensgeschichte eines Patienten gegenüber der Anwendung naturwissenschaftlicher Methoden eine eher untergeordnete Rolle. Der Körper wird in seinen Funktionen weitgehend technisch verstanden. Er wird vorrangig mit Instrumenten untersucht und mit Arzneimitteln und Geräten behandelt. Die Krankheit erfährt mehr Aufmerksamkeit als der Kranke selbst. Eine Zusammenschau von Leib und Seele und die Zusammenarbeit von Arzt und Seelsorger ist eher die Ausnahme als die Regel.

An dieser Stelle ist der Erfahrungshintergrund des amerikanischen Autors völlig anders als wir es als Normalfall in Deutschland kennen. Er hat 35 Jahre als Missionsarzt im Kongo gelebt und gearbeitet. An zahlreichen Beispielen schildert er das Zusammenwirken mit einer afrikanischen Krankenhausseelsorgerin. Diese ist keineswegs nur für den Trost zuständig. In dem Zusammenwirken gehört die Seelsorge integrativ zur Diagnose. Die Seelsorgerin ist außerordentlich begabt, Kranke anzuleiten, ein umfassendes Bild von sich selbst zu gewinnen, so dass krankheitsverursachende Einstellungen, Verletzungen, Erinnerungen und Verhaltensweisen erkennbar werden.

Aber nicht nur für die Diagnose, sondern auch für Heilungs- und Genesungsprozesse spielt es eine große Rolle, ob das Befinden eines Patienten von Angst und Hoffnungslosigkeit oder von Vertrauen und Zuversicht geprägt ist. Ein durch Vergebung befreites Gewissen schafft günstige Bedingungen für die Heilung. Die Wirksamkeit des Immunsystems hängt stark von seelischen Faktoren ab. Antibiotika unterstützen zwar den Kampf gegen Krankheitserreger, sie heilen aber nicht. Entscheidend sind die körpereigenen regenerativen Kräfte Dadurch ist der Patient nicht einfach nur Objekt der Behandlung oder gar Opfer des Krankheitsverlaufs. Er wird aktiv einbezogen.

Fountain schließt zwar Spontan- oder unerklärbare Wunderheilungen nicht aus, sie sind aber nicht die Basis seines geistlichen und medizinischen Denkens. Er hat sich selbst als Arzt und Patient erlebt und dabei Gott und die Wissenschaft als seine Lehrer kennengelernt. Anhand vieler Krankheitsverläufe macht er deutlich, dass Heilungsprozesse durch den Einfluss von Gebet und Glauben durchaus medizinisch folgerichtig verlaufen.

Das Buch erinnert mich an das Lebenswerk des schweizerischen Arztes Paul Tournier und den von ihm geprägten Begriff "Médecin de la personne". Im Vorwort zählt Fountain ihn zu den weisen Lehrern früherer Zeiten. Durch die Lektüre des Buches von Fountain wurde ich angeregt, mir auf einem Blatt Papier "Gebetshoffnungen" zu notieren.

Davon will ich in dieser Rezension drei nennen:

Erstens: Für mein künftiges Leben als Christ und als medizinischer und theologischer Laie wünsche ich mir die Gabe, wie sie die afrikanische Krankenhaus-Seelsorgerin hat. Vielleicht kann man sie auch nennen: Die Gabe "anamnetischer" Seelsorge. Das bedeutet also die Gabe, mit Menschen einfühlsam und heilend über ihre (möglicherweise Krankheit verursachende) Lebensgeschichte zu sprechen.

Zweitens: Ich will sensibel darauf achten, wenn ein Mensch - etwa bei einem Krankenbesuch - von sich aus Sünde bekennen will. Es können die Wehen sein, die den Beginn einer geistlichen Wiedergeburt ankündigen. Weder Arzt noch Seelsorger (und auch kein besuchender Freund) sollten - so sagt Fountain - am Krankenbett von Schuld und Sünde reden. Das darf nur der Kranke selber. Allerdings sollten die Zuhörenden auch nicht solche Bekenntnisse abwehren oder unterdrücken, sondern sorgsam anamnetisch fragen.

Drittens: Zur Heilung von Persönlichkeiten gehört auch die Heilung von Beziehungen. Ich habe mir die Namen von Menschen notiert, mit denen ich in einer angespannten Beziehung lebe. Ich will mich damit nicht abfinden, sondern aufmerksam werden für das Erkennen von Gelegenheiten einer verstehenden Versöhnung.

Kritisch habe ich zwei Bemerkungen:

Das in dem Buch erkennbare Schriftverständnis des amerikanischen Verfassers ist teilweise theologisch naiv.

Einerseits sehe ich das positiv. Es gibt ja einen naiven Vertrauensglauben. Dieser gehört völlig zur Person und darf nicht verdächtigt werden als "Fundamentalismus". Fundamentalismus ist eine Theologie der Angst und deshalb voller Abwehr.

Andererseits wird aber das Schriftverständnis dessen, der in solchem Vertrauensglauben lebt, für viele Menschen schwer zugänglich sein, die sich die Erkenntnisse der Bibelwissenschaften zu eigen gemacht haben. Die geistige Auseinandersetzung berührt natürlich ihr Glaubensdenken.

Das amerikanisch-evangelikale Schriftverständnis kann daher die Akzeptanz des Buches im nicht-evangelikalen Bereich einschränken. Im "aufgeklärten" Europa bleibt es vermutlich an das entsprechende Milieu gebunden. Das finde ich wegen seines Themas schade.

Das Zweite: Sehr bedauerlich finde ich, dass die Bibelzitate durchweg nicht der Luther-Übersetzung folgen. Die Luther-Übersetzung hat eine „Musikalität“, die es leicht macht, sich Texte einzuprägen. Man denke z.B. nur an Psalm 23 oder an den Christus-Hymnus im Philipperbrief.

Mir (dem Rezensenten) fällt es schwer, mit Kranken in Anwesenheit Unbeteiligter zu beten. Ich nehme darum Zuflucht zu den Psalmen. Dabei habe ich im Krankenhaus schon erlebt, dass im Nebenbett der Nachbar laut mitbetete. Der vertraute Klang des Psalms hat in ihm etwas geweckt. Das setzt einen Ein-Klang der Sprache voraus. Dieser Bibel-Ein-Klang war lange Zeit Merkmal evangelischer Frömmigkeit. So sehr für die Auslegung die Vielfalt von Übersetzungen zu begrüßen ist, so sehr sollten Prediger, Liturgen und Autoren sich bemühen, den Gemeinden die Bibel auch sprachlich wieder als gemeinsamen Fundus des Betens zu erschließen.

Trotz dieser kritischen Hinweise bin ich dem Verfasser Daniel E.Fountain, dem Übersetzer Karl Lagershausen, dem Herausgeber Gerd Propach und dem Verleger David Neufeld sehr dankbar. Das Buch könnte helfen, einer "Gesundheitsreform" den Weg zu bereiten, die diesen Namen verdient.